Behandlungskonzept | Therapie

Therapie
Neben der regulären dreimonatigen stationären Entwöhnungsbehandlung bietet die Psychotherapeutische Klinik Bad Liebenwerda auch besondere Therapieformen an. Dadurch sind wir in der Lage, sowohl einzelnen Patienten mit individuellen Krankheitsverläufen, Anliegen und Zielen ein therapeutisches Angebot zu machen, als auch den sich ändernden ökonomischen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.
Entwöhnungsbehandlung
Das therapeutische Programm beinhaltet Einzel- und Gruppenpsychotherapie, Sport- und Bewegungstherapie, Gestaltungstherapie, interne und externe Arbeitstherapie sowie Freizeittherapie und indikative Gruppen. Zum Therapieprogramm gehören auch die wöchentliche Visite durch den Chefarzt und die medizinische Betreuung durch die Stationsärzte. Hinzu kommen Gesundheitsvorträge, Selbsthilfegruppenabende, Krankengymnastik, Entspannungsverfahren sowie Betreuung der mitgebrachten Kinder. Mit dem Behandlungsfortschritt ändern sich die therapeutischen Schwerpunkte und die zu bewältigenden Aufgaben. Daher hat sich für die Entwöhnungsbehandlung ein dreistufiger Behandlungsverlauf mit spezifischen Angeboten und Inhalten bewährt:
- Aufnahmephase
- Intensivierungsphase
- Reintegrationsphase
1. Aufnahmephase
In der ersten Woche wird der Patient in der Aufnahmegruppe behandelt. Er gewöhnt sich in die therapeutische Gemeinschaft der Mitpatienten ein und erhält wichtige Informationen über die internen Abläufe und den Klinikalltag. In den täglichen Gruppentherapiesitzungen lernt er seine Krankheit kennen und verstehen. Er gewinnt hierüber Krankheitseinsicht, baut Veränderungsmotivation auf und formuliert seine eigenen Behandlungsziele. Unterstützt wird er hierbei in der Gruppenpsychotherapie von den Mitpatienten und in der Einzeltherapie von dem zuständigen Therapeuten der Aufnahmegruppe. Auf der Grundlage einer umfassenden medizinischen, psychologischen und sozialmedizinischen Befunderhebung wird die Indikation für gezielte Behandlungsmaßnahmen gestellt. Ebenso wird die Notwendigkeit sozialpädagogischer Unterstützung bei der Bewältigung der Suchtkrankheit und ihrer sozialen Folgen überprüft.
2. Intensivierungsphase
Mit Beginn der zweiten Therapiewoche wechseln die Patienten in die Bezugsgruppe, die von dem jeweils behandelnden Therapeuten angeleitet wird. Es wird ein individueller Behandlungsplan erstellt, in dem sich psychotherapeutische, medizinische und physiotherapeutische Maßnahmen ergänzen.
In der täglichen Gruppenpsychotherapie und der regelmäßigen Einzelpsychotherapie entsteht ein intensiver Kontakt zur Gruppe der Mitpatienten und zum Bezugstherapeuten. Der Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit liegt nun auf der Analyse konfliktträchtiger Lebensumstände, der Vertiefung des eigenen Krankheitsverständnisses und der weiteren Festigung von Therapiemotivation und Abstinenzvorsatz. In der Gestaltungstherapie wird mit nonverbalen Mitteln ein emotionaler Zugang zu diesen Themen ermöglicht. Es wird eine Einsicht in die abhängigkeitsfördernden Persönlichkeitsanteile erarbeitet und die Fähigkeit zur Eigensteuerung gestärkt. Neben möglichen Defiziten wird besonders auf vorhandene Ressourcen und Kompetenzen des Patienten zur Problembewältigung fokussiert.
Aufgrund unseres umfassenden Verständnisses einer Abhängigkeitserkrankung als bio-psycho-sozialer Erkrankung wird in dieser Phase sowohl psychotherapeutisch als auch medizinisch an der Überwindung der psychischen und der somatischen Folgen der Abhängigkeitserkrankung gearbeitet. Zusätzlich werden über unseren Sozialdienst vielfältige Hilfestellungen angeboten: z.B. Vorbereitung von Behördengängen, Bewerbungstraining, Hilfe bei der Klärung finanzieller Angelegenheiten.
3. Reintegrationsphase
In der siebten Therapiewoche ist der Wechsel von der hausinternen Gestaltungstherapie in die zweiwöchige interne Arbeitstherapie vorgesehen. Voraussetzung ist eine ausreichende körperliche Leistungsfähigkeit. Der Patient wird während der internen Arbeitstherapie gezielt auf die Anforderungen des darauffolgenden sechswöchigen externen Arbeitspraktikums vorbereitet. Unter Beachtung der letzten Berufstätigkeit wird in Absprache mit dem Patienten ein Arbeitstherapieplatz in der Klinik ausgewählt. Ziel ist es, von der vorhandenen Belastbarkeit ausgehend, die Leistungsfähigkeit aufzubauen. Nachfolgend erprobt der Patient seine bisher erarbeiteten Therapiefortschritte unter den realistischen Bedingungen des Arbeitslebens. Die Psychotherapeutische Klinik kooperiert mit ca. 30 Betrieben vor Ort, in denen die Patienten die externe Arbeitstherapie in Form eines Praktikums absolvieren können. Dadurch kann am Ende der Rehabilitation für jeden Patienten die berufliche Leistungsfähigkeit eingeschätzt und eine Empfehlung für die geeignete Form der weiteren Berufstätigkeit abgegeben werden. Ebenfalls in dieser Phase werden Familienheimfahrten und Behördengänge als Belastungserprobungen durchgeführt, die im therapeutischen Rahmen vor- und nachbereitet werden.
Gegen Ende dieser letzten Therapiephase rückt die Frage in den Mittelpunkt, in welcher Form eine weitere Betreuung erfolgen soll. Auf der Grundlage der bisherigen Behandlung wird jetzt in der Einzelpsychotherapie die Weiterbehandlung nach der AEB geplant. Dies können sein: eine Adaptionsphase, eine Langzeittherapiemaßnahme, Betreutes Wohnen oder, wie in den meisten Fällen, der regelmäßige Kontakt zu einer Suchtberatungsstelle und Selbsthilfegruppe. Gemeinsam mit dem Patienten wird die optimale Weiterbetreuung festgelegt. Der Kontakt zur entsprechenden Einrichtung wird hergestellt, so dass eine nahtlose Weiterbetreuung gewährleistet ist.
Eltern-Kind-Behandlung
Für Patienten mit Kindern – in der Regel Mütter – bieten wir eine gemeinsame Aufnahme in unserer Klinik. Es können Eltern mit bis zu 3 Kindern im Alter bis zu 12 Jahren aufgenommen werden, wobei die Kinder als Begleitpersonen betreut werden. Außerhalb der Betreuungszeiten sind die Eltern für ihre Kinder voll verantwortlich und übernehmen die Aufsichtspflicht. Die besonderen Bedingungen eines gemeinsamen Klinikaufenthaltes sollten im Rahmen eines Vorgespräches mit Eltern und Kindern in der Klinik besprochen werden, denn das persönliche Kennenlernen der Mitarbeiterinnen und der Klinik vor Beginn der Rehabilitation erleichtert Eltern und Kindern die spätere Eingewöhnung.
Während der Therapiezeiten sind die Kinder in einem vollständig ausgestatteten, klinikeigenen Kindergarten mit professioneller Kinderbetreuung untergebracht. Schulpflichtige Kinder besuchen als Gastschüler die Schule in Bad Liebenwerda. Damit sich die Patientin voll auf ihre Entwöhnungsbehandlung konzentrieren kann, sind in der eigens eingerichteten Mutter-Kind-Gruppe alle Therapiezeiten mit den Zeiten der Kinderbetreuung abgestimmt. In dieser Gruppe kommen Patientinnen in ähnlichen Lebenssituationen zusammen, die daraus resultierenden Themen werden hier gemeinsam mit einer speziell geschulten Bezugstherapeutin bearbeitet. Vergangene und aktuelle Schwierigkeiten im Familienleben werden besprochen. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit zu Familiengesprächen und auch zu gemeinsamen Sitzungen mit den Kindern.
Das Betreuungsangebot der Klinik beinhaltet je nach Notwendigkeit die Unterstützung bei Hausaufgaben, die Verbesserung des Eltern-Kind-Kontaktes inklusive der Planung gemeinsamer Aktivitäten. Es werden gemeinsame Wochenendaktivitäten geplant und durchgeführt. Wöchentlich findet gemeinsamer Sport statt, wobei auf spielerische Weise eine Annäherung zwischen Kindern und Eltern gefördert wird.
Gerade Patienten mit Kindern profitieren vom milieutherapeutischen Ansatz unserer Klinik. Über die direkten therapeutischen Angebote hinaus ermöglicht die besondere Unterbringung im eigens eingerichteten, kindgerechten Familienbereich das Aufrechterhalten bzw. den Neuaufbau eines Familienlebens. Neue Formen des täglichen Miteinanders und neue Rollenfestlegungen können während des Klinikaufenthaltes entstehen. Für die im Alltag auftretenden Schwierigkeiten stehen eine Erzieherin sowie eine Pädagogin als Ansprechpartner zur Verfügung. Aber auch der Erfahrungsaustausch der Mütter untereinander, die gegenseitige Hilfestellung und die emotionale Unterstützung können helfen, die bisher durch Suchtmittelkonsum belasteten familiären Beziehungen neu zu gestalten.
Paartherapie
Wir nehmen Paare mit beidseitiger Abhängigkeitserkrankung auf. Wegen der erfahrungsgemäß hochgradigen Verstrickung wird jeder der Partner einer eigenen Therapiegruppe und einem eigenen Bezugstherapeuten zugeordnet. Nach einer angemessenen Eingewöhnungszeit werden Paargespräche angeboten. Zunächst sollen beide Partner alleine die Möglichkeit erhalten, sich auf eigene therapeutische Prozesse zu konzentrieren. In Krisensituationen werden selbstverständlich sofort gemeinsame Gespräche durchgeführt. Da die Paare, die die Entwöhnungsbehandlung gemeinsam planen, zumeist ein weiteres Zusammenleben nach der Rehabilitation anstreben, ist die stationäre Auseinandersetzung mit der eigenen Abhängigkeit und dem Partner hilfreich. Die Paargespräche werden in der Regel von den beiden Einzeltherapeuten der beiden Partner durchgeführt. Voraussetzung für eine Paartherapie ist immer, dass beide Partner ein gemeinsames Ziel formulieren und anstreben.
Entwöhnungstherapie für Senioren
Die Lebenserwartung der Bundesbürger in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Auch Missbrauch und Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten sind unter Senioren ein wachsendes Problem geworden, das zunehmend Beachtung findet. Dennoch wird die Diagnose einer Abhängigkeitserkrankung bei Menschen höheren Lebensalters immer noch zu spät oder gar nicht gestellt. In der Psychotherapeutischen Klinik haben wir uns auf dieses spezielle Problem eingestellt und bieten ein darauf abgestimmtes therapeutisches Programm an, das aus medizinischen, psychologischen und sozialtherapeutischen Elementen besteht. Kostenträger dieser vier- bis sechswöchigen Rehabilitationsbehandlung für Senioren ist die jeweilige Krankenkasse. Abstinenzfähigkeit ist auch hier das primäre Ziel.
Therapieerfolge sind bei älteren Menschen nicht seltener als bei Menschen anderer Altersstufen, denn auch bei Senioren besteht die Möglichkeit zur Verhaltensänderung. Chronifizierung, Verschlimmerung oder Eintritt einer vorzeitigen Pflegebedürftigkeit können verhindert werden. Jedoch bedürfen die oftmals komplexen, körperlichen, psychosomatischen oder hirnorganischen Erkrankungen im höheren Alter einer darauf abgestimmten Therapie.
Eine besonders intensive medizinische Versorgung stellt sicher, dass neben den Folgeschäden des Suchtmittelkonsums alle somatischen Probleme fachlich kompetent behandelt werden. Als Besonderheit steht in unserem Haus eine sehr gut ausgestattete Physiotherapieabteilung zur Verfügung. Zusätzlich werden bei gegebener Indikation die Möglichkeiten der benachbarten Fontana-Klinik mit genutzt. Die optimale medizinische Versorgung der Patienten wird außerdem durch die Kooperation der Klinik mit am Ort niedergelassenen Fachärzten gesichert.
Unser Sport- und Bewegungsprogramm, das fester Bestandteil des Klinikalltags ist, hält spezielle Bewegungsübungen für Senioren bereit. Dabei soll nicht nur eine grundlegende körperliche Fitness oder Beweglichkeit erreicht werden – vielmehr sollen Patienten erfahren, dass Spaß an der Bewegung und Freude am eigenen Körper in jedem Alter möglich sind und entscheidend zu einer Steigerung der Lebensqualität beitragen. In speziellen Informationsveranstaltungen werden unsere älteren Patienten über die körperlichen Aspekte des Alterns aufgeklärt und sie erhalten Informationen bezüglich des Umgangs mit möglichen Einschränkungen. Selbstverständlich wird bei uns auch die geistige Fitness gefördert. In einem EDV-gestützten Gedächtnistraining werden kognitive Teilleistungsschwächen rasch erkannt und gezielt trainiert. Von Beginn der Therapie an steht die Gestaltung des Alltags nach der Entlassung im Vordergrund: Patienten werden angeregt, neue Kontakte zu knüpfen, neue Verhaltensweisen auszuprobieren und Ideen für künftige Interessen oder Tagesgestaltung zu entwickeln.
Nach der Orientierungsphase werden die Patienten in die Bezugstherapiegruppen integriert und in indikativen Gruppen speziell unterstützt. Generell sind aufgrund der besonderen Schwerpunkte bei den Senioren zwei Einzeltherapiegespräche pro Woche vorgesehen. Darin werden zum Einen die für alle suchtkranken Patienten relevanten Themen behandelt. Zum Anderen werden auch psychotherapeutisch die Themen aufgegriffen, die spezifisch für diese Zielgruppe sind. Zu nennen wären: Krankheit, familiäre Beziehungen, künftige Pflege usw. Je nach sozialem und familiärem Umfeld wird hier bereits darauf geachtet, dass Familienmitglieder oder enge Verwandte in die Planung der weiteren Zukunft mit einbezogen werden bzw. diese am therapeutischen Prozess teilnehmen. Hierzu werden Angehörigenseminare und familientherapeutische Sitzungen durchgeführt. Auch unsere Sozialarbeiter bearbeiten diese speziellen Themen gemeinsam mit den Patienten und helfen so bei der Zukunfts- und Existenzsicherung.
Besonderer Wert wird auf die frühzeitige Vorbereitung einer Nachsorge gelegt. Noch in der Zeit des stationären Aufenthaltes werden Anschlusstermine mit Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen vereinbart. Diese stellen auch für Senioren eine notwendige therapeutische Unterstützung dar, um die in der stationären Therapie erreichten Fortschritte aufrecht zu erhalten und auszubauen.
Festigungsbehandlung
Die Festigungsbehandlung ist für Patienten konzipiert, die eine Entwöhnungsbehandlung nur mit Teilerfolgen beenden konnten. Häufig merken diese Patienten bei der Bewältigung alltäglicher Belastungssituationen, dass die erarbeiteten Inhalte noch nicht ausreichend stabil sind oder es werden anderweitige Defizite offenbar. Die Behandlung soll daher die Ergebnisse der vorangegangenen Entwöhnungsbehandlung festigen und die gefährdete Abstinenz sichern. Anlass für eine derartige Gefährdung sind häufig anhaltende Überbelastungen sowie kritische Lebensereignisse, z.B. Tod eines Angehörigen, Arbeitsplatzverlust, Berentung oder Partnerschaftskonflikte. Innere Unruhe, Gedanken an Suchtmittel, Gereiztheit, Gleichgültigkeit, sozialer Rückzug sind Alarmzeichen, die auf die Notwendigkeit einer Festigungsbehandlung hinweisen. In diesen Fällen sollte die zuständige Suchtberatungsstelle den Patienten auf die Möglichkeit einer vierwöchigen Festigungsbehandlung hinweisen und ihn bei der Antragstellung unterstützen. Hierbei sollten auch die weiteren Voraussetzungen abgeklärt werden:
- Erfolgreicher Abschluss einer vorangegangenen Entwöhnungsbehandlung
- Mindestens dreimonatige Abstinenzzeit
- Soziale Bezüge, in die der Patient nach der Behandlung zurückkehren kann.
In der Festigungsbehandlung geht es zunächst darum, durch die Stärkung des Selbstvertrauens und des Abstinenzwillens einen sich abzeichnenden Rückfall zu verhindern. Im Schutz des stationären Settings erfolgt die psychotherapeutische Bearbeitung der konkreten abstinenzgefährdenden Situationen. Dabei wird auf die Ressourcen fokussiert, mit denen der Patient die Abstinenzzeit seit der vorangegangenen AEB gestalten konnte. Die Betreuung erfolgt in der Regel durch den früheren Bezugstherapeuten, damit schnell an die vorangegangenen Prozesse angeknüpft werden kann.
Die Festigungsbehandlung ist eine therapeutische Intensivmaßnahme mit 2-3 Einzelgesprächen pro Woche. Zusätzlich nehmen die Patienten an der Rückfallgruppe teil, in der bereits erfolgte oder drohende Rückfälle bearbeitet werden. Weitere therapeutische Maßnahmen (z.B. Selbstsicherheitstraining) werden bei Bedarf angeboten. Wie bei allen Behandlungsformen liegt ein großes Augenmerk auf vernetzter Arbeitsweise. Der Patient wird auf die notwendige ambulante Nachbetreuung hingewiesen. Noch während der stationären Behandlung werden Termine bei seiner Suchtberatungsstelle und Selbsthilfegruppe für die Zeit nach der Entlassung vereinbart.
Auffangbehandlung
Genau wie bei einem Rückfall während der Entwöhnungsbehandlung, ist eine Intensivierung der therapeutischen Maßnahmen auch dann notwendig, wenn der Rückfall einige Zeit nach Ende der Therapie auftritt. Eine Möglichkeit für diese Intensivierung bietet die Auffangbehandlung.
Eine Auffangbehandlung als Kurzzeittherapie ist geeignet für Patienten, die beruflich und sozial noch weitgehend integriert sind, denen unter ambulanten Bedingungen aber eine dauerhafte Abstinenz nach der Entwöhnungsbehandlung nicht gelungen ist. Eine gegebenenfalls notwendige Entzugsbehandlung sollte vor der Auffangbehandlung erfolgen, denn der Patient wird direkt in die Bezugsgruppe integriert.
Das Ziel der Auffangbehandlung ist es, eine Rückfallanalyse zu erstellen und die Arbeit an der emotionalen Krankheitsakzeptanz zu intensivieren. Dadurch soll der Patient Kompetenzen erwerben, die die künftige Abstinenz sichern helfen. Wie bei einer Festigungsbehandlung sollte auch bei der Auffangbehandlung die vorangegangene Entwöhnungsbehandlung mindestens drei Monate zurückliegen. Für die Auffangbehandlung ist ein Therapiezeitraum von sechs Wochen vorgesehen und es ist eine neue Kostenzusage des jeweiligen Leistungsträgers notwendig.
Am Beginn der Behandlung wird der Rückfall aufgearbeitet und nachfolgend die (vorangegangene) Abstinenz gefestigt. Abweichend vom Langzeittherapiekonzept werden bei der Auffangbehandlung 2-3 Einzelgespräche durchgeführt und die Patienten zusätzlich in die Rückfallgruppe integriert. Dabei soll der Rückfall als Bestandteil der Abhängigkeitserkrankung erkannt werden. Es erfolgt die Fokussierung weg von den äußeren Umständen, die den Rückfall vermeintlich auslösten, hin zu den intrapsychischen Bedingungsfaktoren. Dem Patienten soll es ermöglicht werden, die Hintergründe für den eigenen Rückfall zu erkennen und anzunehmen, um dadurch den Rückfall als eigenes aktives Handeln wahrzunehmen und somit die Beeinflussbarkeit der eigenen Rückfälligkeit zu erkennen.
Die ambulante Nachsorge ist nach einem Rückfall besonders wichtig. Daher sollte der Patient noch während der stationären Behandlung Termine bei einer Suchtberatungsstelle und Selbsthilfegruppe für die Zeit nach der Entlassung vereinbaren, um die notwendige Weiterbehandlung zu sichern.
Motivationsbehandlung
Eine Entwöhnungsbehandlung ist die beste Therapie, um langfristige Abstinenz zu erreichen. Das Ergebnis bzw. der Erfolg einer Entwöhnungsbehandlung hängt dabei nicht von der Krankheitseinsicht und Behandlungsmotivation am Beginn der AEB ab. Auch sog. „fremd-motivierte“ Patienten, die eine AEB z.B. nur in Verbindung mit einem Rentenantrag oder nach Aufforderung durch die Agentur für Arbeit beantragen, können am Beginn der Rehabilitation Krankheitseinsicht und Abstinenzmotivation entwickeln und so die Entwöhnungsbehandlung erfolgreich absolvieren.
Da Krankheitseinsicht und Motivation nach unserer Auffassung also nicht Bedingung für eine Alkoholentwöhnungsbehandlung sein müssen sondern während der Therapie entwickelt werden können, sollten Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen frühzeitig und unverbindlich eine Rehabilitationsklinik, wie die Psychotherapeutische Klinik in Bad Liebenwerda, kennen lernen. Die Vorbehalte gegenüber einer AEB können dann am besten durch die Mitarbeiter in der Psychotherapeutischen Klinik selbst ausgeräumt werden.
Voraussetzung für eine Alkoholentwöhnungsbehandlung als Leistung zur medizinischen Rehabilitation ist der Antrag des Patienten bei seinem Rentenversicherer. Da abhängige Patienten häufig über Behandlungsmöglichkeiten schlecht informiert sind, haben sie jedoch Vorbehalte gegenüber der stationären Psychotherapie oder schrecken vor der scheinbar langen Behandlungsdauer zurück. So kommt es zu jahrelangen Krankheitsverläufen mit zahlreichen Entzugsbehandlungen im Krankenhaus und erst sehr spät entschließt sich der Patient, eine Entwöhnungsbehandlung zu absolvieren.
Auch die so genannte Schnittstellenproblematik, die sektorale Abgrenzung mit verschiedenen Kostenträgern für die Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung, erschwert einigen Betroffenen den Zugang zur Behandlung. Daher wurde von der Psychotherapeutischen Klinik Bad Liebenwerda als Modellprojekt zur sektorverbindenden Versorgung Suchtkranker das Konzept der Motivationsbehandlung entwickelt und den Krankenkassen und Rentenversicherern vorgestellt.
Am Beginn kann die „Anonyme Sprechstunde“ einen niedrigschwelligen Zugang ermöglichen. Betroffene können sich telefonisch anmelden und werden unverbindlich über die Symptome einer Alkoholabhängigkeit und über die Behandlungsmöglichkeiten (Entzugsbehandlung, Motivationsbehandlung, Entwöhnung) informiert.
Daneben erfolgen Motivationsgespräche im Krankenhaus während der Entzugsbehandlung. Hier wird der Ablauf einer Entwöhnungsbehandlung erläutert, die Psychotherapeutische Klinik wird vorgestellt und auf die Möglichkeit der Motivationsbehandlung direkt im Anschluss an die Entzugsbehandlung hingewiesen.
Die eigentliche Motivationsbehandlung dauert zwei Wochen und schließt sich direkt an eine evt. erforderliche Entzugsbehandlung an. Der Patient lernt die Reha-Klinik, die Mitarbeiter (auch seinen möglichen späteren Bezugstherapeuten) und die therapeutischen Möglichkeiten kennen. Es erfolgt die diagnostische Einschätzung, ob eine Abhängigkeit vorliegt, die wiederholte Aufklärung des Patienten über seine Erkrankung, mögliche körperliche und soziale Folgen und den Ablauf der regulären Entwöhnungsbehandlung.
Das Ziel der Motivationsbehandlung ist es, dem Patienten alle notwendigen Informationen zu geben, die er benötigt, um eine reguläre 3-monatige Entwöhnungsbehandlung zu beantragen. Auf Wunsch werden durch die Psychotherapeutische Klinik der erforderliche Ärztliche Befundbericht und der Sozialbericht erstellt. Da die LVA Brandenburg eine kurzfristige Bearbeitung der Anträge zugesagt hat, kann sich die Entwöhnungsbehandlung direkt an die Motivationsbehandlung anschließen. 
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